Vom Malen
– Zeichen im Fluss –
Duette
Manche Bilder entstehen „nebeneinander“, miteinander. Im Kontext. Im Dialog.
Bauen sich auf, entwickeln sich zu eigenen Persönlichkeiten. Bleiben auch noch nach dem Finish eins von zwei. Ergänzen sich im Nebeneinander oder suchen sich im Auseinander.
Denken
Irgendwann hört das Denken auf. Ein Zustand des Übergangs. Wie der Übergang vom Wachsein in den Schlaf. Eintauchen in den nicht greifbaren Zustand des Malens. Das Denken bleibt vor der Tür.
Denken findet statt in der „Zwischenzeit“. Im wachen Zustand. In jahrzehntelanger Bildbetrachtung, in fast dreißig Jahren Beschäftigung mit Malerei, Farben, Gestaltgesetzen. Im Üben von Techniken, Fertigkeiten in Bildaufbau und Komposition, im Mischen und Auftragen von Farbe. Erfahrung, Wissen, Durchdachtes, immer und immer Durchdachtes.
Halte ich den Pinsel, bleibt alles Denken außen vor. Kein Gedanke an Farbe, Bildaufbau, Komposition. Beim Malen ist alles im Fluss. Ich lasse das Bild kommen. Es entsteht vor mir, mit mir.
Gesetzmäßigkeiten
Das Bild folgt gesetzlosen eigenen Gesetzen. Es sperrt sich, es windet sich, es quält sich, dehnt sich, es kommt, es fließt.
Keine Vorstellung von Zeit und Raum. Keine Vorstellung von Minuten, Sekunden, Stunden. Im Akt höchster Konzentration, im Einssein mit Farbe und Bild. Dem folgen, was das Bild will.
Wichtig: Nicht verlieben, nur nicht zu früh verlieben in Details, in eine gelungene Stelle, Partie. Es geht nur im Ganzen. Vorsichtig und dennoch entschieden sein im Weitergehen.
Parallelwelten
Zweites Bild - gleicher Fluss. Ich schütte, kippe, schlage, reibe - Hand, Fuß, Pinsel, Brett, Schaber - alles was hilft, zählt. Steuern - und entstehen lassen. Ich kippe die Leinwand, Farbe fliest. Kontrolliert - unkontrolliert. Wasserrinnen, Bäche. Das Bild geht seinen Weg. Wenn nichts mehr geht: mutiger Neuanfang.
Drehen, wenden, Distanz – warten – nachdenken - Abstand. Pause.
Finish
Selten noch große Eingriffe. Meist nur wenige Korrekturen. Finish im Millimeterbereich. Letzte Nuancen. Sechzehntelnoten, letzte Akkordverschiebungen, die dem Gesamtbild dienen.
Harmonie
Alles ist in jedem Bild. Alles Leben, Fühlen, Empfinden. Freude, Glück, Schmerz, Leid. Alles ist gleichzeitig. Neben - miteinander. Und alles ist Eins im Einen.
Keine Harmonie ohne Disharmonie. Keine Schönheit ohne Makel. Kein Makel ohne Schönheit. Was wäre ein Bild von reiner Schönheit ohne Bruch, ohne einen Hauch von Hässlichkeit. Das Nicht - Perfekte erst bringt das Perfekte zur Perfektion.
Ich suche die Harmonie in der Disharmonie, die Perfektionierung des „Nicht- Perfekten“.
Zeichnungen
Kabinettstücke, Sonette, Fingerübungen. Zeichen im Fluss. Entstanden im dichten Hintereinander, in dichter Reihe, aus einem Wurf.